Korrektur abstehender Ohren in der Praxisklinik Bayreuth

Abstehende Ohren

Dr. med. Heckel beantwortet 18 Fragen zur Korrektur abstehender Ohren - vom idealen Alter und der Knorpelritztechnik über den ambulanten Eingriff bis zu Risiken, Heilung und Kosten. Konkrete Antworten aus der Praxisklinik in Bayreuth.

  1. 1. Einordnung & Eignung
  2. 2. Methodik & OP-Planung
  3. 3. Die Operation
  4. 4. Risiken & Komplikationen
  5. 5. Schmerzen & Heilung
  6. 6. Ergebnis & Erwartungen

Einordnung & Eignung

Warum stehen Ohren ab - und wie wird das korrigiert?

Dr. med. Heckel: Die Ohrform wird durch Knorpel bestimmt. Wenn dabei eine bestimmte Bruchkante nicht ausgeprägt ist oder fehlt, steht das Ohr ab.

Abstehende Ohren müssen vor allem im mittleren und oberen Drittel korrigiert werden. Das Prinzip besteht aus zwei Teilen: Zuerst wird diese Bruchkante neu gestaltet, definiert und geformt. Dann wird die neue Gestaltung für mehrere Monate stabilisiert.

Wir korrigieren durch eine Veränderung des Knorpels an der Bruchstelle und eine entsprechende Stabilisierung mit Nahtmaterial - also mit Fäden.

Für wen ist die Korrektur geeignet - und wann raten Sie ab?

Dr. med. Heckel: Die Behandlung kann grundsätzlich immer durchgeführt werden, hier gibt es keine Einschränkungen. Idealerweise erfolgt diese jedoch im Kindesalter oder als Jugendlicher, da der Knorpel hier noch weicher ist.

Schwieriger wird es im Erwachsenenalter, weil der Knorpel dann schon relativ fest ist.

Ausgeschlossen sind Fälle, in denen die Komplikationsmöglichkeit größer ist als der Nutzen - etwa bei Entzündungen im Bereich des Ohres oder chronischen Erkrankungen, die eine Operation unmöglich machen. Dies muss im Einzelfall abgeklärt werden.

Ab welchem Alter kann operiert werden?

Dr. med. Heckel: Das ideale Alter ist ab dem fünften beziehungsweise sechsten Lebensjahr, bevor die Kinder eingeschult werden.

Sie kann aber jederzeit auch später, bis ins Jugendlichen- und Erwachsenenalter, durchgeführt werden.

Ist die Korrektur eine Kassenleistung?

Dr. med. Heckel: Ja, das ist eine Kassenleistung.

Eine Privatleistung ist es nur im späten Erwachsenenalter. Aber auch hier gibt es bei bestimmten Berufen medizinische Gründe, die eine Korrektur notwendig und angezeigt machen.

Warum ist eine frühe Korrektur bei Kindern so wichtig?

Dr. med. Heckel: Kinder mit abstehenden Ohren werden des Öfteren von anderen Kindern gemobbt und aufgezogen, die meisten verschließen sich deshalb und haben damit zu kämpfen.

Oft fällt den Eltern nur auf, dass etwas mit dem Kind nicht stimmt, ohne sich erklären zu können, warum. In so einem Fall ist es wichtig, auch an die Ohren zu denken.

Methodik & OP-Planung

Welche Technik verwenden Sie?

Dr. med. Heckel: Es gibt viele verschiedene Techniken. Jeder Operateur macht die Technik, die er am besten kann und mit der er die besten Erfahrungen hat.

Wir arbeiten mit der Knorpelritztechnik: Der fehlende Brechwinkel am Knorpel wird hergestellt und dann mit einer Fadenstabilisierung gesichert.

Wie wird das Ergebnis geplant?

Dr. med. Heckel: Die Planung erfolgt durch die Inspektion des Ohres.

Wir schauen uns das Ohr an, beurteilen die Form und fixieren dann entsprechend im oberen und mittleren Bereich.

Wie stellen Sie sicher, dass die Ohren natürlich aussehen?

Dr. med. Heckel: Absolute Symmetrie gibt es auch in der Natur nicht. Ich richte mich nach den Wünschen der Patientinnen und Patienten.

Es gibt Patienten, die eine natürliche Ohrform möchten - die ist im oberen Bereich etwas weiter vom Kopf weg als im unteren Bereich, liegt also nicht glatt an. Andere möchten die Ohren so nah am Kopf haben, wie es irgendwie geht.

Das lässt sich über die Fadenfixation steuern, und damit kann man dem Wunsch des Patienten oder der Patientin bestmöglich entgegenkommen.

Die Operation

Wie läuft der Eingriff konkret bei Ihnen ab?

Dr. med. Heckel: Nach der Beratung - meist mit den Eltern - erfolgt die Operation in Vollnarkose, ambulant. Man kann danach nach Hause gehen.

Die Beratung findet meist mit beiden Elternteilen statt. Beide Eltern müssen zustimmen, und auch das Kind, soweit es schon in der Lage ist, den Eingriff zu begreifen.

Die Operation ist auch in lokaler Betäubung möglich, allerdings ist die Betäubung im Ohrbereich eine relativ schmerzhafte Angelegenheit. Ich empfehle daher die Vollnarkose.

Der Eingriff dauert ungefähr eine Stunde. Danach schlafen die Patienten im Aufwachraum aus. Wenn Kind oder Patient fit sind, dürfen sie nach Hause. In den nächsten zwei Wochen erfolgen ein bis zwei Kontrollen.

Was muss nach der Operation beachtet werden?

Dr. med. Heckel: Ein Stirnband muss für mindestens acht Wochen getragen werden, vor allem in der Nacht.

Das verhindert, dass das Ohr versehentlich im Schlaf nach vorne klappt. Wenn der Faden dann reißt, wäre das eine Katastrophe. In den letzten 20 Jahren ist das bei uns aber nicht vorgekommen.

Risiken & Komplikationen

Welche Risiken und Komplikationen gibt es?

Dr. med. Heckel: Die typischen Risiken sind das Rezidiv - dass der Faden nicht hält und die Anlegeplastik nicht stabil ist - und eine Asymmetrie.

Beim Rezidiv kann man es nochmals operieren. Ob eine Asymmetrie auftritt, hängt sehr von der Erfahrung des Operateurs ab. Bei der Operation können Knorpelüberreste im Wundbereich verbleiben, was zu unschönen äußeren Verformungen führen kann.

Das schlimmste Risiko wäre aber ein sogenanntes Blumenkohl-Ohr durch eine Ohrknorpelnekrose, weil das zum Schrumpeln der Ohrform führt. Das ist die völlige Konterkarikatur dessen, was man eigentlich erreichen will. Bei uns ist das aber noch nie vorgekommen.

Wo verlaufen die Narben - und sind sie sichtbar?

Dr. med. Heckel: Die Narben im Bereich einer Ohrenoperation verheilen erstaunlich gut und sind in der Regel kaum noch sichtbar.

Ausnahme: Der Patient neigt zu einer überschießenden Narbenbildung oder es kommt zu einem Infekt.

Schmerzen & Heilung

Wie schmerzhaft ist der Eingriff?

Dr. med. Heckel: Schmerzen lassen sich sehr gut in den Griff bekommen. Wir benutzen zusätzlich ein lokales Betäubungsmittel, das sehr lange hält.

Wenn die ersten 24 Stunden geschafft sind, lässt sich der Rest relativ gut beherrschen - mit ganz normalen Schmerzmitteln wie Ibuprofen, Novalgin oder Paracetamol.

Wann darf mein Kind wieder in die Schule und Sport machen?

Dr. med. Heckel: Sportliche Aktivitäten sollten für sechs Wochen unterlassen werden. Gerade bei Kindern.

Wichtig ist auch, dass das Umfeld informiert wird. Bei Kindern zwischen sechs und zehn Jahren sollte man die Lehrkräfte darüber in Kenntnis setzen, damit sie ein Auge darauf haben. Kinder sind völlig unberechenbar - wenn jemand am Ohr zieht oder es malträtiert, kann das schlimmste Konsequenzen haben.

Wie lange dauert es, bis das Ergebnis sichtbar ist?

Dr. med. Heckel: Sechs Monate.

Ergebnis & Erwartungen

Sieht man danach, dass operiert wurde?

Dr. med. Heckel: Mit unserer Methode nicht. Es gibt Methoden, da schaut es aus, als wäre das Ohr an den Kopf geklebt. Bei der Knorpelritztechnik mit Fadenstabilisierung sieht man das nicht.

Ist das Ergebnis dauerhaft?

Dr. med. Heckel: Ja. Einmal gemacht, fertig.

Es geht darum, den fehlenden Brechwinkel am Knorpel herzustellen. Wenn das verheilt ist, hält das Ergebnis dauerhaft.

Legen sich abstehende Ohren irgendwann von alleine an?

Dr. med. Heckel: Ja, aber sehr, sehr spät - jenseits der 50.

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