Behandlung des Karpaltunnelsyndroms in der Praxisklinik Bayreuth

Karpaltunnelsyndrom

Dr. med. Hausding beantwortet 16 Fragen zum Karpaltunnelsyndrom - von Symptomen und Diagnose über die offene Karpaldachspaltung bis zu Risiken, Nachsorge und Heilung. Konkrete Antworten aus der Praxisklinik in Bayreuth.

  1. 1. Symptome & Diagnose
  2. 2. Konservative Therapie
  3. 3. Die Operation
  4. 4. Risiken & Komplikationen
  5. 5. Nachsorge & Heilung

Symptome & Diagnose

Woran erkennt man ein Karpaltunnelsyndrom?

Dr. med. Hausding: An einer ganz typischen Symptomatik: Sensibilitätsstörungen an den ersten drei bis vier Fingern, Kribbeln, nächtliche Schmerzen und Kraftverlust.

Die Patientinnen und Patienten spüren ein Ameisenlaufen in den Fingern - sogenannte Parästhesien. Die Finger schlafen ein, oft wachen die Betroffenen nachts mit Schmerzen in der Hand auf und müssen sie schütteln, damit es besser wird.

Häufig fallen Gegenstände aus der Hand. Auch beim Autofahren oder Fahrradfahren schläft die Hand ein. Der Nervus medianus, der durch den Karpaltunnel verläuft, ist dabei eingeengt.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Dr. med. Hausding: Durch eine Anamnese mit der typischen Symptomatik und einer körperlichen Untersuchung.

Zusätzlich kann eine neurologische Untersuchung durchgeführt werden, bei der die Nervenleitgeschwindigkeiten gemessen werden. Damit hat man eine apparative Absicherung der Diagnose.

Wie schließen Sie andere Ursachen wie Halswirbelsäulenprobleme oder Arthrose aus?

Dr. med. Hausding: Die Symptomatik beim Karpaltunnelsyndrom ist ganz typisch: Sie beschränkt sich auf die Hand und gegebenenfalls den Unterarm und strahlt nicht in die Schulter aus.

Natürlich gibt es Mischbilder - ein eingeklemmter Nerv, ein Bandscheibenvorfall oder ein Schulterproblem können gleichzeitig mit einem Karpaltunnelsyndrom bestehen. Wenn wir unsicher sind, überweisen wir die Patientinnen und Patienten zum Neurologen, der durch Nervenmessungen genau feststellen kann, wo die Einschränkung liegt.

Konservative Therapie

Lässt sich ein Karpaltunnelsyndrom auch ohne Operation behandeln?

Dr. med. Hausding: Physiotherapie oder eine Nachtlagerungsschiene können helfen. Bei ausbleibender Besserung ist eine Operation indiziert.

Die Nachtlagerungsschiene sorgt dafür, dass die Hand nachts entlastet wird. Gerade im Anfangsstadium oder wenn die Beschwerden erst seit einigen Tagen bis Wochen bestehen, empfehlen wir zunächst eine Schiene.

Ab wann sollte nicht länger gewartet werden?

Dr. med. Hausding: Wenn starke Schmerzen bestehen, ein Taubheitsgefühl an den Fingern auftritt oder die Daumenballmuskulatur sich zurückbildet.

Ein Taubheitsgefühl bedeutet, dass der Nerv bereits sehr beeinträchtigt ist. Eine Atrophie - also eine Verkümmerung der Daumenballmuskulatur - zeigt an, dass der Nerv schon sehr lange und stark eingeschränkt ist.

Wichtig zu wissen: Die nächtlichen Schmerzen verschwinden nach der Operation meistens sehr schnell, oft schon in der ersten oder zweiten Nacht. Taubheitsgefühle und Sensibilitätsstörungen brauchen dagegen deutlich länger, weil Nerven sich nur sehr langsam regenerieren.

Kann eine Sehnenscheidenentzündung ein Karpaltunnelsyndrom auslösen?

Dr. med. Hausding: Ja. Durch eine Sehnenscheidenentzündung kommt es zu einer zusätzlichen Einengung im Karpaltunnel.

In diesem Fall wird die Entzündung bei der Operation mitbehandelt: Nach der Karpaldachspaltung werden die Sehnen freigelegt und von der Entzündung befreit.

Die Operation

Welche Operationsmethode setzen Sie ein?

Dr. med. Hausding: Wir führen die offene Karpaldachspaltung durch - nicht die endoskopische.

Die endoskopische Methode wurde in den letzten Jahren stark beworben, ist aber aus unserer Sicht nur bei wenigen Patientinnen und Patienten geeignet. Bei der offenen Karpaldachspaltung haben wir die bessere Übersicht: Wir können sicher sein, dass das Karpalband vollständig durchtrennt ist, den Nerv besser beurteilen und ihn besser schonen.

Bei einer endoskopischen Karpaldachspaltung ist zwar der Hautschnitt kleiner, die Übersicht aber schlechter. Aus unserer persönlichen Erfahrung kann es dabei häufiger zu Rezidiven kommen, weil das Karpaldach nicht vollständig gespalten wurde.

Wie groß ist der Hautschnitt?

Dr. med. Hausding: Circa 2 bis 2,5 Zentimeter - zwischen Daumenballen und Kleinfingerballen.

Unter welcher Betäubung wird operiert?

Dr. med. Hausding: In der Regel eine Betäubung des Arms. Alternativ ist auch eine lokale Betäubung nur des Nervs am Handgelenk oder eine Vollnarkose möglich.

Wie läuft der Behandlungsablauf von der Vorstellung bis zur Nachkontrolle?

Dr. med. Hausding: Es beginnt mit einem Vorstellungstermin, gefolgt von der Operation als ambulantem Eingriff und einer Nachkontrolle am nächsten Tag.

Beim Vorstellungstermin erfolgen die Anamnese mit der typischen Symptomatik und die körperliche Untersuchung. Danach wird aufgeklärt.

Am Operationstag wird der Arm betäubt, die Schnittführung angezeichnet und der Eingriff durchgeführt. Die Hautnaht erfolgt mit nicht resorbierbarem Faden, der nach zwei Wochen gezogen wird. Nach einer kurzen Erholungsphase kann der Patient am selben Tag nach Hause gehen. Am nächsten Tag findet die Nachkontrolle statt.

Risiken & Komplikationen

Welche Komplikationen können auftreten?

Dr. med. Hausding: Rezidiv, Blutung, Nachblutung und Wundheilungsstörung - die typischen Operationsrisiken.

Ein Rezidiv kann auftreten, wenn das Karpalband nicht vollständig durchtrennt wurde oder wieder zusammenwächst, dies kommt allerdings sehr selten vor, ist aber möglich.

Was, wenn die Beschwerden nach der Operation nicht besser werden?

Dr. med. Hausding: Dann sollte nochmals eine neurologische Untersuchung erfolgen, ob sich die Nervenleitgeschwindigkeit verbessert hat.

Wenn ein Taubheitsgefühl vor der Operation bestand, kann die Erholung sehr lange dauern - Wochen bis Monate. Je nachdem, wie stark der Nerv geschädigt war, kommt es gegebenenfalls nicht mehr zu einer vollständigen Heilung. Meistens wird es aber deutlich besser.

Sollten andere Ursachen bestehen, ist eine weitere Diagnostik mit MRT oder Röntgen anzustreben.

Gibt es besondere Risiken bei Voroperationen oder Vorerkrankungen?

Dr. med. Hausding: Eine Rezidiv-Operation ist immer aufwendiger als eine Erstoperation. Bei einem früheren Speichenbruch sollten Knochenfragmente ausgeschlossen werden, die in den Karpaltunnel hineinragen können.

Nachsorge & Heilung

Wann verschwinden die Beschwerden nach der Operation?

Dr. med. Hausding: Die nächtlichen Schmerzen sind meistens nach der ersten oder zweiten Nacht deutlich besser. Taubheitsgefühle können Tage bis Monate brauchen.

Wie schnell sich das Gefühl erholt, hängt davon ab, wie stark der Nerv vor der Operation geschädigt war. Bei schwerer oder lang bestehender Nervenschädigung kann die vollständige Erholung Monate dauern.

Wenn der Nerv nicht zu stark geschädigt ist, kann es zu einer kompletten Heilung kommen.

Wann bin ich wieder einsatzfähig?

Dr. med. Hausding: Schwere Belastungen nach zwei bis drei Wochen. Sport ebenfalls nach zwei bis drei Wochen.

Wie sieht die Nachsorge aus?

Dr. med. Hausding: Es wird ein Verband angelegt, der am nächsten Tag auf ein Pflaster umgestellt wird. Die Fäden werden nach zwei Wochen gezogen.

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